Ein Kommentar von Bastian Neuhaus, Geschäftsführer on. ingenieurbüro
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Das geplante Gebäudemodernisierungsgesetz sollte eigentlich der große Wurf sein, um die Wärmewende in Deutschland endlich auf Kurs zu bringen. Doch schaut man sich die Details an, bleibt vor allem ein Eindruck zurück: Mutlosigkeit.
Anstatt klare Weichen für die Zukunft zu stellen, wird der Status quo mit fossilen Brennstoffen unnötig in die Länge gezogen. Die zentrale Botschaft, dass Gasheizungen auch weiterhin das Rückgrat unserer Wärmeversorgung bilden dürfen, ist ein klimapolitisches Eigentor. Während andere Länder, insbesondere in Skandinavien, längst bewiesen haben, dass Wärmepumpen und Fernwärmenetze selbst in deutlich kälteren Klimazonen hervorragend funktionieren, klammert man sich hierzulande an veraltete Technologien.
Diese Zurückhaltung wird uns langfristig teuer zu stehen kommen.
Klare Vorgaben sind keine pädagogischen Maßnahmen
Oftmals wird von Kritikern, insbesondere aus den Reihen der CDU, angeführt, solche gesetzlichen Vorgaben seien reine „Erziehungsmaßnahmen“. Dieses Argument verkennt jedoch die Realität. Klare Vorgaben sind keine pädagogischen Maßnahmen, sondern marktwirtschaftliche Leitplanken. Sie verhindern, dass Bürger sehenden Auges in eine Kostenfalle tappen.
Zudem ist es strategisch völlig unsinnig, weiterhin auf fossile Brennstoffe zu setzen: Deutschland verfügt über keine nennenswerten eigenen Gas- oder Ölvorräte – oder ist politisch nicht gewillt, die vorhandenen unter hohem Risiko zu erschließen.
Wer heute noch auf Gas setzt, zementiert damit eine gefährliche Abhängigkeit von Importen aus dem Ausland, die uns oft direkt in die Hände von Diktatoren und autokratischen Regimen treiben. Es ist paradox: Man spricht von Freiheit und gegen Bevormundung, macht sich aber gleichzeitig durch die Heizungspolitik erpressbar durch Staaten, die unsere Werte nicht teilen.
Die Wärmepumpe ist technologisch schlicht überlegen
Das häufige Gegenargument, die Wärmepumpe rechne sich nur künstlich durch die CO2-Steuer, lässt sich ebenfalls leicht entkräften: Die Wärmepumpe ist aufgrund ihrer physikalischen Effizienz technologisch schlicht überlegen. Mit einem Wirkungsgrad (COP) von beispielsweise 3,7 macht sie aus einer Einheit Strom fast vier Einheiten Wärme.
Eine Gasheizung hingegen kann niemals mehr Energie liefern, als im Brennstoff enthalten ist. Der eigentliche Vorteil der Wärmepumpe ist ihre Effizienz und die Möglichkeit, durch eine eigene Photovoltaik-Anlage fast vollständig unabhängig von Weltmarktpreisen und politischen Erpressungsversuchen zu werden.
Verpasste Chance für eine echte technologische Modernisierung Deutschlands
Dass fossile Brennstoffe durch künftige CO2-Preise zusätzlich massiv teurer werden, ist kein „Erziehungsmittel“, sondern eine ökonomische Realität des Marktes. Eine echte Transformation hätte bedeutet, den Ausstieg aus der Verbrennungstechnologie im Heizungskeller konsequent voranzutreiben, anstatt Schlupflöcher zu schaffen, die den Umstieg nur verzögern.
Das aktuelle Vorhaben ist eine verpasste Chance für eine echte technologische Modernisierung Deutschlands. Wenn wir die Energiewende ernsthaft gestalten wollen, brauchen wir mehr Ambition und weniger Kompromisse.
Über den Autor: Bastian Neuhaus Sachverständiger für Schall und Wärmeschutz, Energieeffizienz von Gebäuden, eingetragen in der Energieeffizienz-Expertenliste des BAFA / der dena.

